Die große Liebe der Kölner – der 1. FC Köln

Der 1. FC Köln ist für die meisten Kölner mehr als ein Fußballverein. Die Stadt atmet mit ihm. Hat der FC am Wochenende mal wieder verloren, spürt man montags eine melancholische Stimmung in der Stadt. Bei einem Sieg sind die Menschen freundlicher, offener und zu einem Gespräch bereit. Eigentlich ist der Kölner immer zu einem Gespräch bereit – auf jeden Fall, wenn es um den FC geht. Da ich mir das alles (nicht) erklären kann, habe ich hier meine FC-Geschichte aufgeschrieben.

Meine FC-Geschichte von Norbert Conzen

Wir haben als Kinder im Sommer immer Fußball gespielt, mein Freund Klaus und ich. Wie viele Kinder in den 1960er-Jahren. Wir wohnten in Hürth nur wenige Meter vom Stadion entfernt. Dort gab es auf der Höhe einen Aschenplatz. Der untere Rasenplatz war für uns tabu, weil der Stadionwärter von seinem Haus aus den mit Argusaugen bewachte. In den Sommerferien war nicht anderes angesagt als morgens Fußball, kurz Mittagessen zu Hause und, nach der Zwangspause durch unsere Mütter, spätestens 14:00 Uhr wieder Fußball. Kleines Spielchen, fünf gegen fünf, manchmal nur zwei gegen zwei, zwischendurch mal Elfmeterschießen, die wenigsten von uns hatten richtige Fußballschuhe. 

Meine FC-Geschichte: Norbert Conzen mit seinem Vater um 1961 im Hürther Stadion
Meine FC-Geschichte: Norbert Conzen mit seinem Vater um 1961 im Hürther Stadion
Ein Sammelbild der Mannschaft des 1. FC Köln (1962) aus meinem Fotoalbum
Ein Sammelbild der Mannschaft des  1. FC Köln (1962) aus meinem Fotoalbum

Wir, das waren die Kinder aus dem heutigen Alt-Hürth und die Kinder der Kriegsflüchtlinge aus Schlesien und so, die in der nahen neugebauten Siedlung auf der Kumme wohnten. Es gab beim Wählen der Mannschaften keinen Unterschied der Herkunft, nur die fußballerische Qualität zählte. Unsere lokalen Idole waren die Spieler der ersten Mannschaft von Hürth-Hermülheim wie „Kranze Mattes“ (Matthias Kranz), einem impulsiven Dribbler und Torjäger, der bei Schiedsrichterentscheidungen gegen ihn selten seinen Mund halten konnte und Platzverweise sammelte. Die Spieler des 1. FC Köln waren natürlich unsere absoluten Stars. Der Verein hatte auf Initiative des damaligen Vereinspräsidenten (1948–1967) Franz Kremer mit Hilfe von Spenden bereits 1953 im Grüngürtel bei Hürth-Efferen das Geißbockheim errichtet und genoss bereits bei Fans und Gegnern größten Respekt. Jeden Samstag verfolgten wir am Radio die Fußballübertragungen. Montags wurden dann intensiv die Spielberichte in der NRZ gelesen.

Es war so um 1962, der FC war schon zum ersten Mal Deutscher Meister geworden, als ich Hans Schäfer und Co zum erstenmal live beim Training erleben durfte. Schäfer war ja schon damals wegen der WM 1954 eine Legende. Und ich sah Karl Heinz Schnellinger, Fritz Pott, Leo Wilden, Hans Sturm, Karl-Heinz Thielen und den kleinen Trainer Zlatko Čajkovski. Besonders stolz war ich, weil ich den Verteidiger Matthias Hemmersbach aus dem alten Hürther Schwimmbad persönlich kannte. Als regelmäßiger Schwimmer traf ich ihn dort des öfteren nach dem FC-Training an, wo er wohl mal unter der warmen Dusche und bei ein paar Bahnen relaxen wollte. Ich habe mich nie getraut ihn direkt anzusprechen, aber er hat mich immer „als alten Bekannten“ gegrüßt.

Nachdem der 1. FC Köln im Juni 1963 das letzte Endspiel um die Deutsche Meisterschaft im alten Modus mit den Oberligen mit 1:3 gegen Borussia Dortmund verloren hatte, begann das Wendejahr im innerdeutschen Fußballbetrieb. Am 24. August 1963 startete die neue Bundesliga mit 16 Vereinen. Zweimal jeder gegen jeden, einmal zuhause, einmal auswärts – das neue System versprach mehr Gerechtigkeit. In dieser Zeit fing ich natürlich an, die ersten damals in einem Kiosk an der „Ernst-Moritz-Arndt-Straße“ in Hürth angebotenen Fußball-Sammelbilder zu kaufen. Das einzige Album zur ersten Bundesligasaison 1963/64 mit damals noch handkolorierten Fotos der Spieler gab meines Wissens nach der Otto Sicker Verlag aus Wiesbaden heraus. Mein noch vorhandenes Exemplar ist bis auf fünf oder sechs Bildern vollgeklebt und wohl eine Seltenheit. In den nächsten Jahren wurde die Qualität der Fotos und die Druckqualität der Sammelbilder immer besser. Nach Erwerb eines damals für mein bescheidenes Taschengeld sehr teures Fotoalbum, klebe ich dort nach einem mir noch heute eigenen Ordnungssystem Woche für Woche meine neuen Fußballschätze mit Fotos der damaligen FC-Stars und einigen internationalen Fußballstars ein. Auch Zeitungsausschnitte aus der Kölnischen Rundschau fanden ihren Weg ins geheiligte Fußballalbum.

Meine FC-Geschichte: Das Kölschglas von 1964 mit den Unterschriften der FC-Spieler. Das Glas war eins der cleveren Anfänge des Merchandisings. Im Hintergrund mein FC-Album.
Meine FC-Geschichte: Das Kölschglas von 1964 mit den Unterschriften der FC-Spieler. Das Glas war eins der cleveren Anfänge des Merchandisings. Im Hintergrund mein FC-Album.
Meine FC-Geschichte: Seiten aus meinem Fußballalbum. Links Helmut Benthaus, Hans Schäfer und Szenen von Endspiel 1963, rechts zwei Mannschaftsfoto des 1. FC Köln (Meistermannschaft von 1962 mit Autogrammen).
Meine FC-Geschichte: Seiten aus meinem Fußballalbum. Links Helmut Benthaus, Hans Schäfer und Szenen von Endspiel 1963, rechts zwei Mannschaftsfoto des 1. FC Köln (Meistermannschaft von 1962 mit Autogrammen).

Voller Stolz lauerte ich damit in den nächsten Monaten und Jahren am Fußballplatz vor dem Geißbockheim auf das Ende des Trainings, um einige Autogramme der Spieler zu erlangen. Bereitwillig schrieben mir Hans Schäfer, Georg Stollenwerk, Fritz Ewert, Hansi Sturm und viele andere ihren damals noch ausgeschriebenen Namen auf meine Sammelfotos und Zeitungsausschnitte. Sogar eine Autogrammkarte vom Vereinspräsidenten Franz Kremer konnte ich ergattern. Nur der damals neue FC-Star Wolfgang Overath ging immer wortlos an mir und meinem Album vorbei. Nachdem ich meinen Vater über den Wunsch an einem Autogramm von Overath erzählt hatte, fuhr er mit mir im Ford 17 M zum Training und stellte sich dem Star nach dem Training in den Weg und sagte: „Donn Se demm Jong doch e Autogramm“. Overath unterschrieb wortlos, nickte kurz fast freundlich und verschwand in der Kabine.

Mein größtes Erlebnis als Kind mit dem 1. FC Köln war dann die Meisterfeier am 9. Mai 1964. Der FC stand schon vor dem letzten Spieltag als erster Bundesliga-Meister fest und rund um das Geißbockheim war alles zum Empfang inklusive eines halbrunden Kreis mit riesigen Kölschfässern vorbereitet. Mein Vater wollte sich die Feier nicht entgehen lassen und nahm mich mit, trotz der Bedenken meiner ängstlichen Mutter wegen der zu erwartenden Menschenmassen. Er kaufte für zwei D-Mark ein Kölschglas, auf dem die Autogramme der Spieler aufgedruckt waren. Dies brachte ihn in den Genuss des Freibieres, das von den Köbesen nur in solche Gläser gezapft wurde. Das Glas war eins der cleveren Anfänge des Merchandisings und ist mir bis heute ein besonderes Erinnerungsstück von bleibenden Wert geblieben.

Plötzlich schrie irgendjemand in die Menge auf dem überfüllten Platz vor dem Geissbockheim: „2:1 gegen Stuttgart gewonnen. Sie kommen jetzt“. Wir warteten an der Zufahrt zum Vereinsheim, mein Vater hatte mich nach vor die erste Reihe bugsiert, um besser sehen zu können. Aber es dauerte und dauerte bis ein erstes Auto sich langsam durch die engstehende Menge schob. Ich erkannte auf dem Beifahrersitz Karl-Heinz Thielen mit einem Gipsbein. „Gegen Stuttgart hat mich mein Gegenspieler auch noch weggeputzt, so dass ich auf der Meisterfeier mit einem Gipsbein rumgelaufen bin“, sagte später der Spieler im Interview mit dem KStA. Dann ging es Schlag auf Schlag – ein Auto nach dem anderen mit den Spielern passierte die Zufahrt. Ich kann mich nur noch an die vielen kölschtrinkenden Männer mit Gesangseinlagen erinnern und das mein Vater, nachdem die Spieler sich mit der Trophäe auf der Terrasse der Menge gezeigt hatten, sagte: „Jetz jomme heem“.

Die Begeisterung für den FC hielt auch während meines Kunststudiums in Köln gut zehn Jahre später weiter an. Nach Erhalt des Max-Ernst-Stipendiums der Stadt Brühl 1976 hatte ich es zu einigen lokalen Ausstellungen mit meinen Zeichnungen gebracht und wurde als aufsteigender Künstler gehandelt. Mein neues Thema sollte der 1. FC Köln und der Fußball sein. Ohne Scheu schrieb ich um 1980 den damaligen Geschäftsführer Karl-Heinz Thielen mit dem Anliegen zur Unterstützung zur Recherche für mein Projekt an. Prompt rief nach einigen Tagen eine Sekretärin an, um mit mir einen Termin zu vereinbaren. Bestückt mit den ersten Bildern zum Thema ging ich selbstbewusst aber aufgeregt zum Treffen. Thielen hörte sich durchaus interessiert mein Anliegen an, darunter auch einmal ein Spiel auf der Bank verbringen oder mit am Training teilnehmen zu dürfen. Das lehnte er sofort ab und sagte mir, was er von der Kunst erwarte. Sinngemäß referierte der Manager, dass Fußball Aktion, Kampf und Emotion sei. Das sollte ich in den Bildern zeigen. Mittlerweile kam auch Hennes Weisweiler ins Büro und verabschiedete sich aber wieder sofort, als er den Inhalt des Gesprächs erfasste. Die Kunst war nicht seine Welt. Mit dem Angebot einiger Freikarten verabschiedete mich Karl-Heinz Thielen.

Meine Bilder zum FC waren dann eher vom Kunstgeist der 1980er-Jahre geprägt. Der Kölner Stadt-Anzeiger schrieb in seiner Samstagsausgabe vom 9./10. August 1980 zu einer Ausstellung in einer Kölner Galerie: „Norbert Conzen… zeigt keine Mystik, sondern klare Aussagekraft, da weiß man, was er meint, wenn er die Fan-Tapete voller Geißböcke vorstellt, wenn er Fußballfelder skizziert, Spiel-Rundfunkreportagen farbig zu Papier bringt, den Ball als Halbmond schweben läßt. Kleidungsstücke aus der Südkurve zeigt, aber auch Schmerzensqualen, Duelle und Analysen nicht ausspart, Daß da letztendlich nur noch ein Ball, der völlig zerschunden, ja gar blutbefeckt ist, übrigbleibt, wundert nicht. Norbert Conzen ist konsequent in der Durchführung seiner Arbeiten.“ Karl-Heinz Thielen hat mich nach den Ausstellungen in den nächsten Jahren ein paar Mal angerufen, um zwei oder drei Bilder aus der Serie zu kaufen, um sie langjährigen und wohl verdienstvollen Mitgliedern zu irgendwelchen Jubiläen als Geschenk des FC’s zu überreichen. Dem 1. FC Köln bin ich als Fan bis heute treugeblieben.

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Meine FC-Geschichte: Die Mannschaft des 1. FC Köln im Sammelalbum des Otto Sicker Verlag, 1963/64
Meine FC-Geschichte: Die Mannschaft des 1. FC Köln im Sammelalbum des Otto Sicker Verlag, 1963/64

Infos 1. FC Köln

1. Fußball Club Köln 01/07 e. V.
RheinEnergieSportpark
Franz-Kremer-Allee 1-3, 50937 Köln
Postanschrift:
Postfach 45 04 56, 50879 Köln

Gründung: 13. Februar 1948
Farben: Rot-Weiß
Spielstätte: Rheinenergiestadion

ServiceNummer: 0221 260 11 221 (zum Ortstarif)
Die FC-Service-Nummer ist zu folgenden Servicezeiten erreichbar:
montags bis freitags: 8 bis 20 Uhr, samstags: 9 bis 18 Uhr, sonntags: 10 bis 16 Uhr.
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